Viele – auch Menschen mit langjähriger Meditationserfahrung – haben manchmal den Eindruck, die Achtsamkeit beschränkt sich nur auf die Zeit, in der wir auf dem Meditationskissen sitzen. Am Ende klingt die Klangschale, und schon sind wir wieder im Autopiloten und führen unseren Alltag genauso weiter wie vor der Meditation. Was wäre jedoch, wenn unser Leben eine einzige Meditation ist?

Wir können allem mehr Qualität und Tiefe geben, indem wir in Kontakt mit dem gegenwärtigen Moment kommen und achtsam und präsent sind. Ich möchte Euch heute fünf praktische Anregungen vorstellen, um Achtsamkeit immer mehr auch in alltägliche Tätigkeiten einfließen zu lassen.

1. Achtsam aufwachen

Wie wir den Beginn eines Tages gestalten, hat einen großen Einfluss auf dessen Verlauf. Bleibe daher nach dem Aufwachen einen Moment im Bett liegen, konzentriere Dich für einige Atemzüge auf Deinen Atem und spüre, wie der Atem den Körper bewegt. Mache Dir bewusst, dass ein vollkommen neuer Tag vor Dir liegt, der in dieser Form einzigartig ist und so nie wiederkommen wird. Vielleicht willst Du Dir auch eine Intention für den Tag setzen? Mit welcher Qualität möchtest Du diesen Tag leben? Genervt, gestresst, im Autopiloten oder vielleicht eher achtsam, mit Qualitäten wie Klarheit, Mitgefühl, Dankbarkeit, Verbundenheit, Selbstfürsorge…?

2. Achtsam essen
Nimm Dein Essen mit allen Sinnen wahr: Den Geruch, die Farbe, Konsistenz, den Geschmack, den Nachgeschmack… Vor allem bei den ersten Bissen sind unsere Geschmacksnerven besonders sensibel für den Geschmack. Kaue das Essen sorgfältig und esse mit Genuss. Du kannst Dir auch bewusst machen, welche Schritte nötig waren und wieviele Personen involviert waren, damit dieses Essen so auf Deinem Teller landete (vom Anbau, Ernte, Produktion, Transport…) Wir nehmen die Dinge oft so selbstverständlich und nehmen uns getrennt von anderen wahr, obwohl wir so tief voneinander abhängig und miteinander verbunden sind…

 3. Den Arbeitstag achtsam beginnen

Auch wenn Du vielleicht im Homeoffice bist, nimm Dir einen Moment Zeit, um wirklich an Deinem Arbeitsplatz anzukommen. Nimm ein paar bewusste Atemzüge, spüre den Boden unter Deinen Füßen und mache Dir bewusst, dass ein neuer Arbeitstag beginnt, bevor Du mit Deinen Tätigkeiten beginnst. Lass Deinen Blick zwischendurch immer wieder in die Weite schweifen und nimm achtsam wahr, was Du gerade hören, sehen und im Körper spüren kannst.

 4. Achtsam gehen

Wenn Du gehst, sei Dir bewusst, dass Du gehst. Auch kurze Wegstrecken, wie z.B. der Weg zur Küche, um einen Kaffee zu holen, können achtsam zurückgelegt werden und so unser „Achtsamkeitsmuskel“ gestärkt werden. Du musst hierzu nicht extrem langsam gehen und so die Aufmerksamkeit der anderen auf Dich lenken. Sei einfach ganz präsent im Moment und spüre die Körperempfindungen, wenn abwechselnd Dein rechter und linker Fuß den Boden berühren. So viel in unserem Körper funktioniert ganz von selbst und wir nehmen es oft garnicht wahr. Vielleicht magst Du Deinen Füßen auch einmal dafür danken, dass sie dich den ganzen Tag tragen.

 5. Achtsam warten

Hast Du Dir schon einmal überlegt, wieviel Zeit unseres Lebens wir mit warten verbringen? Beim Arzt, in Ämtern, im Supermarkt an der Kasse, an der Ampel, in Meetings… Ganz automatisch greifen wir in solchen Momenten oft zum Handy oder verbringen sie mit unnötigen Gedanken und Tagträumen. Wir können diese Zeiten jedoch auch bewusst nutzen und unsere Achtsamkeit kultivieren. Nimm ein paar tiefe Atemzüge und nimm wahr, was sich Dir gerade zeigt. Vielleicht ist da gerade Ungeduld, Ärger, eventuell spürst Du eine Anspannung im Körper. Vielleicht kannst Du die Wartezeit auch als willkommene Unterbrechung des durchgetakteten Tages sehen, die Dir ermöglicht, in Kontakt mit Dir selbst zu kommen.

Viel Glück beim Ausprobieren!

 „Wenn ihr abwascht, denkt ihr vielleicht an den Tee danach und versucht, es so schnell wie möglich hinter euch zu bringen, damit ihr euch setzen und Tee trinken könnt. Das bedeutet aber, dass ihr in der Zeit, wo ihr abwascht, nicht lebt. Wenn ihr abwascht, muss der Abwasch das Wichtigste in eurem Leben sein. Und wenn ihr Tee trinkt, dann muss das Teetrinken das Wichtigste auf der Welt sein.“
Thich Nhat Hanh
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Bleib auf dem Laufenden über Aktuelles und erhalte Inspirationen für ein erfülltes Leben im Hier & Jetzt!

zum kostenlosen newsletter anmelden!
X
X