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Einblicke ins GLYCK oder wie ein Baby schwimmen lernt.

Teil 1

 

Ein Interview mit den Gründern und Inhabern des

GLYCK gemeinsam.mehr.gestalten in Backnang

Suzana Karadza und Are Hilliges

 

Einblicke-ins-GlyckAre Hilliges

Mitvierziger, Zahnarzt aus Backnang, geboren im Schwabenland, Partner von Suzana

 

Suzana Karadza

Lehrerin und Künstlerin auf der Suche nach dem Glyck, Partnerin von Are

 

ARE: Viele Fragen erreichen uns immer wieder. Oft sind es dieselben. Was wir sind? Wer wir sind und wo wir sind? Wer steht hinter dem GLYCK und für was steht GLYCK eigentlich? Diese Fragen wollen wir jetzt mal für euch beantworten.

 

 

 

 

Suzana & Are, ihr sitzt hier gemeinsam im GLYCK. Ihr sagt immer so schön: „euer Baby“ Wann ist euer Baby denn geboren und warum habt ihr ihm diesen Namen gegeben?

ARE: Ja, geboren ist es im Februar 2019. Geboren und auf die Welt gekommen. Aber in unseren Gedanken gezeugt, ist das bestimmt schon 2015. Es fing damit an, dass wir vor vielen Jahren, gemeinsam, und Suzana noch länger, angefangen haben zu meditieren und das auch in den Alltag zu bringen. Diese Zufriedenheit in den Alltag zu bringen. Und Zufriedenheit in die Familie zu bringen und in den Job. Wenn man gelernt hat, was für ein riesiger Benefit das ist, präsent zu sein, konzentriert zu sein, da zu sein und Mitgefühl zu haben, dann möchte man das auch weitertragen? Das ist ganz natürlich, dass man Dinge, die man umsonst bekommen hat, auch weiterverschenken möchte. Dann kamen viele Jahre und Monate der Überlegungen, Planung, Finanzierung und dann auch wirklich der Renovierung der Räumlichkeiten, des Einrichtens. Das hat unheimlich viel Zeit gekostet. So konnten wir im Februar 2019 starten, um im März 2019 gleich wieder in den Lockdown zu gehen?

SUZANA: Vielleicht noch was zur Gründung und warum das überhaupt unser Baby ist. Es ist tatsächlich was, das von uns ins Leben gerufen wurde. Also, es ist keine Ideologie. Wir verfolgen nichts damit. Sondern es ist so wie mit Babys, die man in die Welt setzt und hoffentlich nichts damit verfolgt, sondern sie sich einfach entwickeln lässt. Das ist eigentlich unser Grundgedanke und unser Grundkern. Es ist uns wichtig, dass wir das auch so weitergeben und mitteilen können.

Nochmal zum Begriff Baby. Ein Baby wächst ja auch. Und deshalb sind wir hier nicht nur Veranstalter und Organisatoren, sondern wir begleiten und betreuen das Baby auch, solang es wächst. Denn wenn was wächst, dann entsteht immer auch Neues und das ist uns eben wichtig. Und genau da komme ich jetzt auf den Begriff „Glyck“. Ursprünglich haben wir das ganze „Glyck“ und dann „Glücksschule“ als Untertitel genannt. Leider haben wir schnell gemerkt, dass Schule ein viel zu sehr besetzter Begriff ist, als dass man ihn irgendwie positiv oder vielleicht auch neutral betrachtet. In den letzten Monaten haben wir uns dann viele Gedanken darüber gemacht und einen anderen Untertitel erarbeitet.

 

 

Und da merken wir, das trifft uns mehr im Kern. Das, was uns bei der Zeugung und bei der Geburt dieses Babys auch wirklich wichtig war, nämlich, dass jeder hier etwas finden kann an Angeboten, dass ihm helfen kann, diesen Glücksfunken zu wecken, zu erleben oder zu kultivieren.

Das Wort Glyck mit Y. Da haben wir natürlich viel überlegt. Uns ist es wichtig, dass es kein Glücksversprechen gibt. Also man kann Glück hier nicht kaufen. Man kann es nicht mit einer Pille einnehmen und dann ist man glücklich. Das können und wollen wir nicht versprechen und darum geht es auch gar nicht. Deswegen haben wir das künstliche Wort mit Y gewählt. Es hat auch damit zu tun, dass Ares Wurzeln skandinavisch sind. Dort gibt es sowas leichtes, wie Hygge und Glygge, das auf Norwegisch Glück heißt. Da haben wir eben weiter kreiert und fanden dann den Namen „Glyck“ sehr passend und treffend für das, was wir sagen wollen.

ARE: Wir haben dem Wort Glyck mit Y eine Definition gegeben.

Es bedeutet innere Zufriedenheit unabhängig von äußeren Umständen.

Also egal, ob es draußen regnet, stürmt, schneit oder die Sonne scheint, ob die Menschen um einen herum gut gelaunt sind oder schlecht, ob die Arbeit stressig ist oder leicht… man kann es schaffen, einen Zustand zu erzeugen, jederzeit und immer, der zufrieden ist, innerlich zufrieden und entspannt. Und das ist genau der Unterschied zwischen angespannt, das will ich nicht und entspannt. Es ist so wie es ist. Das ist eigentlich Glück. Das ist was wir transportieren wollen und das ist auch Grundlage des ganzen Glycks, im Sinne von das ist, was wir weitergeben wollen. Sonst wollen wir eigentlich nichts weitergeben.

SUZANA: Eine Plattform eigentlich auch. Auf oder in deren Räume Erfahrungen gemacht werden, also über Yogakurse, Qigong oder Meditation, Achtsamkeitstraining, Tanz, oder, oder, oder. Einfach ein Potpourri an Möglichkeiten.

Vielleicht noch eine grundlegende Sache was den Begriff Glück angeht, der ja ein recht abgegriffener und auch schwieriger Begriff ist und vielleicht auch schnell an irgendwelche einengenden Dogmen denken lässt.

Glücklichsein ist eigentlich ein Grundbedürfnis wie Essen und Schlafen.

Wir vergessen das häufig in unserer heutigen Gesellschaft. Genau der Punkt, dass es eben ein Grundbedürfnis ist, und nicht etwas, was man von außen rein holt wie auch immer. Das ist eigentlich das, was wir kultivieren wollen. So wie man in ein Restaurant geht und seine Seele mit feinem Essen streichelt. So kann man auch mit einer Yogaeinheit oder Qigong oder ähnlichem an einen Punkt kommen, wo man sich zufrieden und glücklich fühlt. Das ist was, was immer schon da ist. Eben was Grundsätzliches.

ARE: Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Glück ist eben nichts was man sich rein holt, sondern diese innere Zufriedenheit ist immer schon da. Sie ist und war immer schon dauerhaft da, in jedem von uns. Dieser Zugang zur inneren Zufriedenheit ist oftmals einfach verstellt, weil wir uns so viele Gedanken und Gefühle, Sorgen, Hoffnungen, Erwartungen machen an Dinge, die da draußen sind. Aber wer diese ganzen Dinge mal weglassen kann, weglassen lernt und nicht mehr den Dingen Gewicht beimisst, der merkt, dass das was innen übrigbleibt, Zufriedenheit ist. Nämlich Zufriedenheit, hier auf diesem Planeten leben zu dürfen und Zufriedenheit in der Entspannung zu finden. Das ist eigentlich immer schon da und nicht wegzudenken. Und das bleibt auch immer da. Egal, ob man Phasen hat, in denen es gerade läuft oder nicht läuft. Es wird immer da sein.

 

 

Suzana & Are, was bedeutet für euch persönlich Glück?

ARE: Das ist wirklich wahrscheinlich die häufigste Frage, die wir in den letzten Monaten gestellt bekommen haben in dem Zusammenhang. Glück ist nicht ein orgastisch hohes Wow-Gefühl, das über einen kommt. Es ist nicht ein Dopamin- Feuerwerk in uns, das da stattfindet nach der Achterbahn oder wenn man etwas persönlich sehr Tolles erreicht hat. Glück ist etwas unglaublich Feines, Zufriedenes, Entspanntes in uns drin, was eben schon immer da war und ist immer da sein wird. Eine innere Zufriedenheit, unabhängig von äußeren Umständen. So wie wir das immer sagen. Das ist persönlich Glück für uns.

Wenn man das jetzt mal auf die naturwissenschaftliche Ebene herunterbricht, dann ist unser Glyck mit Y eher durch Serotonin Hormone herbeigeführt, wobei das Glück mit Ü, das meistens in der Gesellschaft empfunden wird, eher durch Dopamin verursacht ist, das oft auf Adrenalin folgt, aber eher so ein ganz hohes Gefühl ist. Während unser persönlich empfundenes Glück eigentlich ein entspanntes und zufriedenes, aber sehr konstantes Gefühl ist. Ich glaube, worauf es am meisten ankommt, ist, diese Konstanz zu finden und leben und zu halten.

SUZANA: Ja, und auch viel gewöhnlicher zu betrachten als wir es oft tun. Es gibt ja viele Schlagwörter, die in unserer Gesellschaft kursieren, zum Beispiel Selbstfürsorge. Letztendlich glaube ich, sind das alles Begriffe, die auf eines hinaus zielen. Nämlich auf das Grundbedürfnis. Wir wollen einfach, dass es uns gut geht. Das wir glücklich sind.

Glück ist natürlich in unserer Gesellschaft ein schweres Wort, weil wir Erwartungen haben, wie Glück zu sein hat. Und wenn ich das dann habe, dann bin ich glücklich! Und dann genau den Moment irgendwie abzupassen und zu merken, ich brauch gar nicht viel und kann trotzdem glücklich sein. Oder wenn ich einer Sache nachgehe, so wie ich zum Beispiel der Malerei, wo ich merke, ich gehe darin auf und das ist für mich Glück. Aber das ist jetzt vielleicht nicht das, was andere als Glück empfinden. Aber so genau muss es auch nicht definiert sein, weil es eine Erfahrung ist. Genau das ist uns wichtig, dass hier Platz ist, und Raum entsteht für solche inneren Erfahrungen. Irgendwie hat man das ja immer im Leben. Aber natürlich gibt es Dinge, die besser geeignet sind, um anzudocken an so ein schönes Gefühl. Wenn man Stress hat und irgendwie Dinge tut, auf die man keine Lust hat, dann dockt man da nicht so schnell an, als wenn man etwas Schönes macht und eben selbstfürsorgend etwas tut. Dann stellt sich schneller ein schönes Gefühl ein. Darum geht es; dem wieder Raum zu geben.

Das kennen wir ja alle in der letzten 2 Jahre nur zu gut, dass wir vieles vermissen, was uns vielleicht guttut und genau darum geht es eigentlich. Das wir erkennen, was uns guttut. Wenn es dem Körper guttut, dann ist es für die Seele auch gut. Dann entsteht auch schon so eine Art Ruhegefühl. Wenn man das kultiviert, dann kommt man zu einem zufriedenen Gefühl ganz automatisch.

Wie eine Rose die riecht. Die kann das nicht steuern. Das ist ganz natürlich.

Wir haben vergessen, dass Glück ein natürliches Gefühl ist, ein ganz natürlicher Zustand. Das kann man nicht machen. So sehe ich Glück für mich persönlich. Ich könnte das gar nicht definieren, wie: „Glück ist…“ und habe dann vier Worte, die das beschreiben. Das ist wirklich mehr ein Erfahren.

 

 

Was ist eure Idee hinter diesen Räumen? Was hofft ihr, hier zu bieten und was findet ihr für euch?

Das haben wir uns natürlich auch gefragt.

ARE: Die Idee hinter diesen Räumen ist, dass wir eben Zufriedenheit in die Gesellschaft bringen möchten. Beginnend hier in Backnang. Weil wir den Eindruck haben, dass die Menschen insbesondere hier in Deutschland, wenn man das so sagen darf, zu unzufrieden sind für die Verhältnisse, die sie haben.  Diese Unzufriedenheit führt dazu, dass die Menschen sie stillen wollen, und das machen sie eben über Dopamin und nicht über Serotonin. Und dieses Dopamin entsteht eben im Kaufrausch. Dieses Dopamin entsteht im Konsum. Natürlich auch im Sport. Dieses Dopamin entsteht eben in allen Dingen, die uns eigentlich ablenken davon, das Leben ganz zu erfahren. Sondern eben nur so teilweise.

Und jetzt machen wir mal den ganz großen Wurf, wenn wir sehen, wie der Klimawandel die Welt verändert. Die Ressourcenknappheit die Menschheit verändern wird. Dann ist es eben sehr wahrscheinlich, dass wir anfangen müssen und lernen müssen, weniger zu konsumieren, als das was wir in den letzten Jahrzehnten konsumiert haben. Denn wenn wir alle so weiter konsumieren, das weiß doch mittlerweile jeder, dann fahren wir den Planeten an die Wand! Kurzfristig für den Planeten, extrem langfristig und existenziell für die Menschheit. Das heißt, wir dezimieren die Anzahl der Menschen, was ja sehr leicht gesagt ist, aber mit einem unglaublichen persönlichen Leid kommen wird. Wenn wir es aber lernen, innerlich zufrieden zu sein, ohne Konsum, ohne irgendetwas zu benötigen, außer die Augen zu schließen, Übungen zu machen, die unseren Körper betreffen. Wenn wir es nicht schaffen, so unsere Glücksgefühle zu erzeugen, dann werden wir nicht abgeben können, weil wir dann nämlich depressiv werden. Momentan ist unsere Zufriedenheit auf Konsum ausgerichtet. Immer wieder Konsum, Konsum, Konsum. Wenn das nicht mehr geht, dann fehlt Dopamin. Und was passiert? Dann gibt es Depressionen und aus der Depression entsteht einfach ein Kampfgefühl, ein Gefühl, ich muss das aber haben. Und was passiert mit Ressourcenknappheit? Wenn Wasser mal knapp wird oder wenn Kohle und Öl mal klappt werden? Dann entstehen daraus einfach Verteilungskämpfe. Das ist im Tigerkäfig im Zoo auch nicht anders als auf der Weltbühne der Politik. Die Ressourcen wird man verteidigen. Die Ressourcen wir man erobern wollen. Man wird sein eigenes Volk nicht unzufrieden dastehen lassen wollen und das wird herausfordernd.

Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass es nicht passiert. Da hilft es nicht nur Elektroautos zu fahren, sondern wir haben einfach größere Möglichkeiten entdeckt und die wollen wir weitergeben.

SUZANA: Ja, und die Räume hier stehen stellvertretend dafür. Denn wenn jeder so für sich alleine ist oder auch alleine kämpft, dann ist das mühsam. dann ist das. Naja, es ist immer leichter mit Gleichgesinnten oder das Gefühl zu haben, gemeinsam was zu bewirken. Und so sehen wir auch diese Räume. Deswegen gibt es die. Also ganz praktisch sind wir nicht nur irgendwie eine Online-Geschichte, die irgendwo im virtuellen Raum stattfindet, sondern hier ist ganz reale Begegnung da, wenn man das will. Zum Beispiel, wenn man in den Yoga Kurs geht. Da ist immer Austausch da. Das haben wir ja gerade jetzt im Lockdown gespürt, wie wichtig das ist.

Da möchte ich noch ein Schlüsselwort einbringen. Wir müssen alles bewusster werden, glaub ich. Bewusster mit der Welt umgehen, bewusster mit allem was uns betrifft umgehen. Denn dieses Bewusstsein ist eigentlich der Schlüssel zum Erfolg, also Erfolg im Sinne von Zufriedenheit. Das bedarf aber tatsächlich auch einer Entscheidung. Also ich muss ich mich entscheiden auch in den Qigong-Kurs zu gehen und ich muss es dann auch machen, Dienstag, vormittags oder Donnerstagabend.

Aber genau diese Entscheidung braucht die Welt gerade von jedem Einzelnen. Und dann ist man aber doch nicht alleine. Und genau diese Crux versuchen wir hier, irgendwie auch ungewöhnlich, zusammenzubringen. Wir sind keine Yogaschule. Wir sind nichts Religiöses. Wir sind einfach irgendwie so was Neues. Eine Plattform, wo jeder das anbieten kann, was Menschen zufrieden macht. Diese Zufriedenheit ist schon immer da und immer da gewesen, aber sie wiederzufinden ist ein fortwährendes Training, das nie aufhört.

 

 
Und was genau erwartet mich, wenn ich eure Räume in der Bertha-Benz-Straße betrete?

SUZANA: Das ist eben ein bisschen so wie in einer Oase. Das kennen wir ja alle, wenn wir verreisen. Egal ob in den Norden oder Süden, egal unter welchen Bedingungen oder wenn wir irgendwo sind am Strand, dann haben wir dieses Gefühl von Entspannung. Das tut uns gut. Das nährt uns. Es ist angenehm, es ist schön und wir kommen mal raus aus dem Hamsterrad im Gehirn, in dem die Gedanken wie Hamster rennen und uns nicht mehr zufriedenlassen. Uns im wahrsten Sinne des Wortes keine Chance geben, mal anzuhalten. Genau das versuchen wir doch an den Wochenenden und im Urlaub. Genau so sehen wir unsere Räume hier, die wir extra toll und liebevoll eingerichtet haben, damit man hier reinkommt, einfach ausatmet und entspannen kann. Und dann das genießen wofür man sich interessiert hat. Natürlich geht das auch zu Hause im Wohnzimmer, aber da sind unsere Gedanken oft gefangen. Wenn man aber einfach mal neuen Raum betritt, woanders eintritt, dann kann man einfach mal loslassen und entspannen. Das ist die Erfahrung. Wenn man die kultiviert. Wenn man das im besten Sinne permanent macht, dann kommt die Gewohnheit und die Gewohnheit gibt uns irgendwann das Gefühl, das ist normal. Damit laden wir das Glücksgefühl regelrecht ein. Dann müssen wir nicht mehr Entscheidungen treffen oder uns überwinden. Dann kommt das Glück automatisch. Diesen Moment kennen wir. Jeder, der aktiv Yoga oder Meditation betreibt kennt das. Und das ist wirklich schön, einfach ein schönes Gefühl.

ARE: Die Räume sind sehr warm gehalten und entspannend. Da haben wir sehr drauf geachtet. Die schönen Fotos von Vincent Weinbeer an der Wand, geben Einblick von seinen Reisen in die Welt. Das ist sehr schön, dass man eben nicht nur hier im deutschen kalten Winter verharrt, sondern dass man sieht, woanders ist man auch zufrieden, und zwar mit viel weniger. Das gibt dem Ganzen eine sehr schöne Note hier. Gelungen einfach!

 

 
 
Die letzten 2 Jahre stehen ja unter sehr besonderen und herausfordernden Umständen. Was meint ihr, kann man in dieser Pandemie noch glücklich sein?

ARE: Ja, kann man!  Das ist ja genau der Anspruch, den wir an das Glycklichsein haben. Und da weg vom glücklich mit Ü hin zum glycklich mit Y. Denn glücklich mit Ü zu sein ist schwieriger in der Pandemie, weil glücklich mit Ü davon abhängt, dass Feste besuchen kann, dass man Party machen kann, dass man Leuten begegnen kann, dass man Feuerwerk machen kann, dass man Unternehmungen machen kann, wie Achterbahn fahren oder sowas. Erlebnisse eben, die einen in diese Dopamin Glücksgefühle mit Ü bringen. Glycklich mit Y braucht nun mal nichts weiter als den eigenen Atem, den eigenen Körper, das eigene Bewusstsein, das eigene Wahrnehmen. Also ganz klar, auch in einer Pandemie, auch im Gefängnis, wirklich im Gefängnis meine ich, kann man glücklich sein. Was eben viele Leute wie Nelson Mandela, beispielsweise, auch wirklich über Jahre bewiesen haben. Menschen, die teilweise erst dort zu ihrer Zufriedenheit kommen. Das sind Beispiele dafür, dass man mit schwierigsten äußeren Bedingungen, innerlich zufrieden und entspannt sein kann.

SUZANA: Das ist auch wieder so ein wichtiger Punkt? Es geht ja nicht um Friede, Freude, Eierkuchen. Also glücklich sein, ich glaube, das ist auch so eine Erwartungshaltung. Das assoziieren wir mit immer nur mit fröhlich sein. Tatsächlich ist das zwar nicht das Gegenteil, aber nur indem man das Andere zulässt, kann man eigentlich froh sein. Man kann nicht glücklich oder froh sein, wenn man sich das schön redet. Das geht vielleicht mal für ein paar Stunden. Aber es geht nicht darum, sich was schön zu reden. Das ist mir wichtig. Auch beim Thema Pandemie. Es geht nicht darum zu sagen: „Alles ist doch wunderbar so wie es ist. Ich muss ja nur in meinen inneren Zustand und dann ist alles super!“ So ist es ja nicht. Es ist auch ein Anerkennen dessen, was nicht gut ist. Und erst weil ich es anerkenne, kann ich sozusagen authentisch sein. Ich, einfach als Mensch. Und erst wenn ich authentisch bin, kann ich auch glücklich sein.  Das ist ja auch noch mal auf der persönlichen Entwicklungsebene ein ganz wichtiger Punkt. Authentisch ist eben alles zuzulassen, auch das Unangenehme, auch das Schlechte. Auch das Schmerz, den ich vielleicht habe, wenn ich eine Yogaübung mache und ich merke, der Rücken tut weh. Ich kann das eigentlich gar nicht. Dieses Erfahren von Schmerzen und diesen dann zuzulassen, das ist auch schon wieder gut.

Bezogen auf das Beispiel Gefängnis bedeutet das, ich halte das nicht nur aus, sondern ich nehme es an. Nur durch dieses Annehmen kann ich ungebrochen wieder rausgehen. Und dies auch eine ganz natürliche Funktion. Letztendlich ist es so, dass wenn wir uns abhängig machen vom Außen und nur noch leiden, dann vergessen wir, wofür wir dankbar sein können. Und wenn wir das vergessen, dann können wir eigentlich auch nicht mehr zufrieden sein. So ist das ein immerwährender Kreis. Es ist nicht einmal eine Idee von etwas. Es ist einfach völlig natürlich.

Und Kinder, zum Beispiel, die kennen das. Und das kenne ich wirklich aus meiner Lehrertätigkeit. Es ist schon so, dass da im Erwachsenenalter etwas verloren geht, was kleine Kinder noch ganz automatisch und ganz natürlich machen. Und genau diesen Prozess, der natürlich ist, den kann man im Kleinen leben und je größer das wird, umso schwieriger wird es natürlich. So eine Pandemie ist ja überdimensional und sehr ergreifend und trotzdem kann man da Wege finden für sich, innere Stärke zu behalten und die entpuppt sich als Zufriedenheitsgefühl, trotz allem, trotzdem!

ARE: Ein ganz schönes Beispiel mit dem Baby oder mit den Kindern. Vor allem bei Babys sieht man das. Wenn der Bauch drückt, weil er voll ist, dann tut das weh. Dann darf man quengeln. Und dann darf man sagen, das ist jetzt nicht in Ordnung. Aber ein Baby wird, nach einer Stunde oder nach 10 Minuten, nachdem es dann in die Windeln gemacht hat, sich nicht mehr darüber beklagen, wie fürchterlich das die letzten 10 Minuten war. Sondern: Jetzt ist mir schlecht. Jetzt geht es mir grad nicht gut. Haha, jetzt ist es vorbei! Und dann ist es auch vorbei. Denn dann ist ja das Nächste dran. Dann ist Zufriedenheit dran, Lachen, Kommunizieren, Erleben… Einfach ganz echt. Nicht gekünstelt oder sich was vor gemacht oder getan, als ob.

 

Wie es weitergeht im Gespräch mit Suzana und Are, das erfahrt ihr im nächsten Blogbeitrag.

Es schrieb für euch herzlichst,

Eure GLYCKsbloggerin Melli Hellebrand

Melanie Hellebrand

Systemische Therapeutin & Beraterin
HELDENDASEIN aufrichten.ausrichten.weitergehen


www.heldendasein.de

Systemische Beratung – GLYCK – gemeinsam mehr gestalten (glyck-backnang.de)

 

 

 

Fotos Glyck Melli Hellebrand

Fotos Suzana & Are copyright Vinzent Weinbeer

 

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