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Rückblicke & Ausblicke ins GLYCK oder trotzdem glycklich

Teil 2

 

Ein Interview mit den Gründern und Inhabern des

GLYCK gemeinsam.mehr.gestalten

in Backnang

Suzana Karadza & Are Hilliges

 

 

Are Hilliges

Mitvierziger, Zahnarzt aus Backnang, geboren im Schwabenland, Partner von Suzana

 

Suzana Karadza

Lehrerin und Künstlerin auf der Suche nach dem Glyck, Partnerin von Are

 

Wie erging es eurer Idee „GLYCK“ unter den schwierigen Bedingungen der letzten zwei Jahre?

ARE: Wir hatten extrem schwierige Umstände. Im Lockdown gestartet. Drei Monate Pause. Dann Sommerzeit bis zu den Sommerferien 2020, wo es dann anlief. Dann, nach den Sommerferien im ersten Jahr der Pandemie war auch bald klar, dass es wieder Einschränkungen geben wird. Dann kamen die Einschränkungen und immer so weiter…Letztlich war es immer wieder ein Beschleunigen aus dem Stand und ein abruptes Abbremsen, beziehungsweise erst gar nicht wieder in die Geschwindigkeit kommen, weil es die äußeren Umstände einfach nicht wieder zugelassen haben.

Jeder, der ins GLYCK gekommen ist, fand es super hier!

Jeder fand die Räume toll! Jeder findet das Angebot gut und auch die Kursleiter, unsere Glücksbringer. Alle gehen zufrieden raus. Aber es konnte sich nie so etwas aufbauen, wie ein allgemeines Gefühl von, wir packen es an. Ja, wir machen das. Dafür war die Zeit zwischen den Lockdowns einfach zu kurz. Letztendlich ist unser kleines Baby gleich in die Stromschnellen geraten, musste gleich schwimmen lernen.

Es ist eben anders als bei einer Gastwirtschaft, die seit 15 Jahren läuft und sich seine Kundschaft und auch ein finanzielles Polster erarbeitet hat. Wir mussten die ganze Zeit das GLYCK stützen, es vor dem Untergang bewahren, durch die Stromschnellen begleiten. Es ist eigentlich nie richtig zum Schwimmen gekommen, das man hätte sagen können: ja, es hält seinen Kopf schon ganz gut über Wasser. Das hat es natürlich schon schwer gemacht und auch frustrierend. Aber das ist ja genau unsere Stärke, dass wir den Frust nicht aufnehmen und sagen, wir sind nur dieser Frust. Sondern wir haben dieses Problem, wir haben diese Situation. Wie sieht sie aus? Wie kann man sie bewältigen? Wieder lange können wir das noch durchhalten? Wie lange reichen unsere finanziellen Reserven noch, um das GLYCK aufrechtzuerhalten?

Ja, das waren schwierige Bedingungen. Und nein, das GLYCK würde heute ganz anders dastehen, wenn die äußeren Bedingungen anders gewesen wären. Diese Anzeichen sehen wir schon. Es ist nur schwierig, vorherzusehen, ob das jetzt Ende 2023 oder 2024 dazu kommen wird, dass das GLYCK schlussendlich alleine schwimmen wird?

SUZANA: Und trotzdem, und das ist eigentlich das Schöne und auch Bestätigung und Antwort auf viele Fragen, die wir hatten, war es eine tolle Zeit bis jetzt. Die Glücksbringer, die hier gewirkt haben und immer noch wirken, sind zwar eine kleine Gruppe, aber da geht was. Das ist einfach schön. Das zu erfahren war sehr besonders und auch schön und bestätigend.

Zu erfahren, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Und dass das alles schon so stimmt, was wir uns da ausgedacht haben.  Das es nicht einfach nur irgendwelche Hirngespinste sind, sondern dass da auch wirklich Bedarf da ist und dass da auch ganz großes Potential dahintersteckt. Mega! Also das ist tatsächlich auch und gerade trotzdem für uns klar geworden.

ARE: Oder auch Glücksbringer, die wahnsinnig tolle Menschen sind und die diese Idee verstehen und genau wissen, was wir hier meinen. Die bestätigen können, dass es diesen Weg zu innerer Zufriedenheit unabhängig von äußeren Umständen gibt. Und die die Idee toll finden. Die das ganze hier mit Engagement und Liebe betreiben und Leute hier reinholen und die begeistert sind von den Räumen. Da war so viel Bestätigung für uns, dass es eigentlich funktionieren würde. Könnte. Ja!?

Irgendwie soll es jetzt gerade nicht sein. Also muss man einfach weiterschauen, wie es weitergeht. Schritt für Schritt. Den nächsten Schritt im Auge behalten. Aber müssen wir eben auch das große Ganze im Auge behalten und schauen wie sinnvoll ist es jetzt, dass noch ein Jahr zu machen und noch eins und noch eins, ohne dass dieses Glycksbaby schwimmen gelernt hat.

 

 

Wie schafft ihr es, trotzdem optimistisch zu bleiben?

SUZANA: Ja was ist denn Optimismus? Daran hängt ja wieder alles dran. Optimismus ist der Glauben an etwas. Von etwas überzeugt sein. Das gibt einem immer Kraft und lässt einen, nicht verbissen an etwas festhalten, aber vertrauensvoll, mit dem Grundgefühl, dass das alles richtig ist. Wieder der Vergleich zum Baby oder Kind: da gibt es auch viele Zeiten, die anstrengend sind für die Eltern und die Familie. Da geht es auch immer hoch und runter, das ist immer eine Berg- und Talfahrt. Aber das Vertrauen in das Kind, und so geht es uns auch mit dem GLYCK, das Vertrauen in diese Idee trägt uns ganz enorm. Wäre es einfach nur so ein Unternehmen, wo man sagt, das probieren wir mal aus, dann wäre da vielleicht schon irgendwann der Punkt, wo man nicht mehr optimistisch sein kann. Trotzdem wissen wir, dass der Optimismus allein einen auch nicht retten kann. Also Optimismus heißt ja nicht, dass alles gut wird. Optimismus heißt einfach, dass man so lange dran glaubt, solang man dran glaubt. Und wie es dann ausgeht, das weiß man nicht. Schritt für Schritt. Wir wissen nicht, was morgen kommt. Unter den Pandemiebedingungen wissen wir auch nicht, was in einem halben Jahr kommt. Aber egal. Immer Schritt für Schritt. Daher mal der Name „Schule für Hier und Jetzt“. Es geht ums Jetzt. Jetzt ist es so. Im nächsten Jetzt ist es so. Schritt für Schritt.  Sich verrückt zu machen, was in einem Jahr ist, das ist nicht nur aufs GLYCK bezogen, sondern auch aufs eigene Leben, nicht real. Man weiß nicht was morgen ist. Das trägt einen aber auch, im Positiven.

ARE: Einen Leitsatz, den man lernt von Erich Fried ist: Es ist was es ist, sagt die Liebe. Es ist was es ist, bezieht sich darauf, dass wir hier und jetzt, in diesem Moment, wo wir hier sitzen, merken: es ist okay so wie es ist. Und wenn man lernt, in schlechten Augenblicken auch anzuerkennen, es ist, so wie es ist. Mehr auch nicht oder weniger auch nicht. Dann bekommt man langsam, aber sicher das Vertrauen, dass in Zukunft die nächsten Momente auch okay, so sind, wie sie sind. Es ist, so wie es ist. Und dieses Vertrauen, die Gutheit des Lebens und die Okayness des Lebens, das ist Optimismus. Wir können als Gesellschaft so weiter existieren mit okay, es ist okay, so wie es ist. Das ist Optimismus. Oder als GLYCK so weiter existieren, okay, es ist okay, so wie es ist, auch wenn es in einer anderen Form stattfinden wird. Was dann natürlich auch mit Blick auf den Tod eine gewisse Stärke gibt, weil der ist dann auch okay, so wie er ist. Dann lebt man nur noch in den Gedanken unserer Lieben. Aber das ist auch okay so. Denn unsere Vorfahren leben ja auch in unseren Gedanken weiter und sie leben gut dort weiter.

 

Gibt es etwas, das ihr in den letzten 2 Jahren gelernt habt?

Beide lachen

ARE: Man hat gelernt, dass manche Dinge nicht so kommen wie man sie vorhatte. Das ist natürlich etwas, was eine sehr, sehr wichtige Erkenntnis fürs Leben ist, die mir persönlich auch sehr geholfen hat, nichts zu erwarten. Also in den nächsten Moment hineinzugehen, so wie wir jetzt 2019. Hätten wir quasi in diese Glycksunternehmung reingehen können und gar nichts erwarten. Und sage können, es ist so, wie es ist. Wir haben gelernt, dass dieses Warten auf etwas, die Erwartung, dazu führt, das der nächste Moment, den man so sehnlich erwartet, nie so sein wird, wie man ihn sich vorgestellt hat. Und man von diesen Momenten immer enttäuscht sein. Und „enttäuscht“ bekommt dadurch einfach eine andere Bedeutung, nämlich: man hatte eine Täuschung und die wurde angenommen. Das ist was unglaublich Kraftvolles. Es ist unglaublich stark zu sagen: Hey, es ist ja gar nicht blöd, dass es jetzt so gekommen ist, sondern ich hatte es mir einfach nur anders vorgestellt. Und ich hatte mir einfach nur anders vorgestellt, macht dann plötzlich aus einem: Ach, stimmt eigentlich? Was hatte ich mir nur dabei gedacht?

Wenn man das erkannt hat, hilft es einem, in den nächsten Moment, in die nächste Unternehmung, in die nächste Situation hineinzugehen und zu sagen: Ach ja, mal gucken, was kommt! Mal gucken, was kommt, ist immer besser, als von was Tollem auszugehen und dann in seinen Erwartungen enttäuscht zu werden.

SUZANA: Ich habe aber auch einen Wermutstropfen. Denn ich habe gelernt, dass der Mensch ganz schön stark an alten, nicht guttuenden, schlechten Gewohnheiten festhält. Das hat mich das auch gelehrt, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist, irgendwie. Gelernt hab ich das nicht. Gewusst habe ich das und wieder so erlebt? Ja, und dann natürlich aber auch wieder loslassen. Da wieder das Kind zum Vergleich.

Wenn das Kind sozusagen noch nicht bereit ist zum Fahrradfahren, dann ist es einfach nicht bereit. Auch wenn man weiß, es würde ihm jetzt einfach guttun. Das ist auch wieder ein wichtiger Prozess, den man lernen muss. Loslassen und keine Erwartungen haben.

 

Was wünscht ihr euch fürs neue Jahr?

ARE: 2022 soll für uns weiterhin entspannt bleiben. Ich glaube auch nicht, dass wir da große Probleme haben durchzukommen. Ich hoffe für 2022, dass die Schulen offen bleiben. Ich hoffe, dass für 2022 die Eltern ihren Gegebenheiten nachgehen können, ohne auf die Kinder aufpassen zu müssen. Ich hoffe, dass die Menschen lernen, die Dinge eben so anzunehmen, wie sie sind. Ich hoffe, dass Kinder weniger Sorgen haben müssen. Als Kinderzahnarzt ist es eben so, dass ich unheimlich viele Kinder mit Kopfschmerzen erlebe. Ich habe viele Kinder mit Bissverletzungen an der Wange, die daran rum kauen. Ich habe unglaublich verspannte Kinder. Ich habe wirklich 4-6-mal so viele Probleme bei Kindern, Rezepte für Physiotherapie und Kopfschmerztherapie. Das würde ich mir sehr wünschen, dass die Eltern einen entspannteren Umgang mit der Situation auf ihre Kinder übertragen können. Das wäre für mich so der gesellschaftliche Wunsch.

SUZANA: Genau. Mir kommen auch so Begriffe wie Leichtigkeit. Also das wünsche ich mir eigentlich sehr. Wie die dann stattfindet und wie die gelebt wird, ob die mit Entspannungsübungen oder mit anderen Umständen. Leichtigkeit und auch ein stückweit friedvolleres Umgehen miteinander, das wünsch ich mir. Wir haben ja auch einen ganz tollen Kurs gehabt in gewaltfreier Kommunikation und da musste ich gerade gestern erst wieder dran denken, weil ich dachte, das ist im Grunde eine Technik, die man lernt und ein Gefühl für Sprache entwickelt dafür, ob wir gewaltfrei oder nicht gewaltfrei kommunizieren. Und ich finde kommunizieren fängt schon im Denken an. Denke ich also schon gewaltfrei oder nicht? Das wären so die beiden Sachen, die ich unglaublich wichtig fände. Also friedvolles Zusammensein. Zusammensein ist auch wichtig! Das wir nicht in die Einsamkeit abrutschen. Und Leichtigkeit. Und das eigentlich auf allen Ebenen, egal ob in Beziehungen, in der politischen Ebene, zwischenmenschlich.

ARE: Und ich glaube, wir können das erreichen,  in dem wir alle einfach nichts erwarten in 2022. Jeder nichts erwartet. Keine super Ferien erwartet, keine super Partys erwartet, keine super Familienfeiern erwartet, das ist eigentlich, wie wir das als Gesellschaft erreichen können.

 

Welchen Tipp habt ihr für alle, die noch auf der Suche nach dem Glück sind?

ARE: Hier herkommen. Unsere Kurse besuchen. Ich würde jedem raten Meditieren, Yoga oder Qigong zu lernen. Das kann so dermaßen konstant und kraftvoll sein kann. Was meine Erfahrung ist, es kann auch unglaublich erfolgreich sein. Also entspannt und locker zu sein bedeutet eben auch, die richtigen Entscheidungen zu richtiger Zeit wirklich stressfrei zu treffen. Das bedeutet eben auch, sich nicht in die Ecke drängen zu lassen. Das bedeutet eben auch, sich frei Gedanken über alle Möglichkeiten der Zukunft machen zu können. Damit auch visionär in die Zukunft zu schauen. Das bedeutet eben auch ein erfolgreiches Elternteil zu sein, weil die eigene innere Entspannung sich auf die Kinder auswirkt direkt im jetzt. Eltern sind aber immer auch Vorbild für ihre Kinder und die Kinder tendieren, ob wir das wollen oder nicht, immer zu ihren Eltern. Und wenn wir es schaffen, entspannte, glückliche, zufriedene, junge Eltern zu sein, die die immer komischer werden Omas und Opas entspannt ertragen. Die den komischen Chef entspannt ertragen, die die Pandemie entspannt ertragen und die auch die Eigenarten ihrer Kinder entspannt ertragen, dann werden unsere Kinder auch mal zu solchen entspannten Eltern. Ich sage immer: „Das Beste, was ihr für eure Kinder tun könnt, ist ins GLYCK zu kommen und Entspannung zu lernen.“ Wo ihr das schlussendlich macht ist egal, aber hier gibt es halt die Möglichkeit. Und hier gibt es die Chance, es in Gemeinschaft zu tun. Auch wenn jetzt noch nicht Gemeinschaft machbar ist, aufgrund der Einschränkungen, dann wird es aber in Zukunft möglich sein.

SUZANA: Was mir noch so kommt? Welchen Tipp hab ich.  Wir haben auf unsere Homepage ganz tolle Blogbeiträge monatlich und die könnt ihr dort einsehen oder euch auch in unseren Newsletter eintragen und dann bekommt ihr die automatisch. Are und ich schreiben auch ab und zu einen Blogbeitrag und da fällt mir der letzte ein, den ich geschrieben habe über die innere Sonne. Als ich mir da Gedanken gemacht habe, was ist für mich die innere Sonne, dann kam mir genau dieser Punkt: die Suche nach dem Glück. Suche ist schon mal fatal, denn Suchen heißt ja immer irgendwo anders sein, aber nicht im hier und jetzt. Und Glück ist ja wieder dieses schwere Wort. Wenn man Glück durch innere Sonne ersetzt, dann ist das so ein schöner Vergleich. Innere Sonne ist das, was uns trägt, was uns strahlen lässt, was uns nährt, was wir irgendwie gut finden, was wir angenehm finden. Da hat jeder seine ganz eigenen Präferenzen. Der eine geht gerne spazieren im Wald und das gibt ihm ganz viel. Der andere macht Sport. All diese Dinge sind ganz wunderbar. Ich glaube aber, alles was noch tiefer geht, also ein Erfahren wo man merkt, es ist egal, ob es gerade draußen stürmt oder schneit, die innere Welt geht nicht unter, also die innere Sonne. Dann ist das wie ein Fundament. Das ist mein Tipp: Alle Erfahrungen mitnehmen die schön sind. Mal drauf achten, wie sich das anfühlt und dann eben immer weiter füttern.

ARE: Noch ein Zitat zum Abschluss…

Glück ist nicht zu erlangen durch große Anstrengungen und Willenskraft. Es ist schon da und sitzt zu Hause an deinem Herd.

Das heißt, es ist schon da. Du musst nur wieder heimkommen.  Man muss nur wieder raus aus den Gedanken, Sorgen und Nöten zurück zu sich selbst kommen.

In diesem Sinne wünschen wir euch ganz, ganz viel glückliches Dasein.

Eure Suzana & Are

 

 

Es schrieb für euch herzlichst,

Eure GLYCKsbloggerin Melli Hellebrand

Melanie Hellebrand

Systemische Therapeutin & Beraterin
HELDENDASEIN aufrichten.ausrichten.weitergehen


www.heldendasein.de

Systemische Beratung – GLYCK – gemeinsam mehr gestalten (glyck-backnang.de)

 

 

 

Fotos Glyck Melli Hellebrand

Fotos Suzana & Are copyright Vinzent Weinbeer

Fotos unsplash

 

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