Ernte und Aufbruch Teil 2 – ein Interview

Ernte und Aufbruch Teil 2 – ein Interview

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Ernte und Aufbruch Teil 2 – ein Interview

Mit Barbara Geyer-Burkhardt

ernte-und-aufbruch-teil-2Nachdem Claudia Kundigraber in unserem letzten GLYCKsblog so aufschlussreich und zauberhaft über Ernte und Aufbruch im Leben schrieb, über die Wicken in ihrem Garten, was wir gesät haben und was wir an Ernte erwarten, ob diese tatsächlich eintrifft und darüber, dass das Leben kein Bankkonto ist, habe ich mich entschlossen, eine Fachfrau zum Thema „Ernte“ zu befragen. Sie steckt mittendrin in der Ernte und was für sie Aufbruch bedeutet, das wüsste ich auch gern.

Barbara Geyer-Burkhardt, 63 Jahre, Bäuerin in der 3. Generation und DEMETER Bäuerin seit 1991, lebt und arbeitet in Großhöchberg, Gemeinde Spiegelberg.

 

Barbara betreibt gemeinsam mit ihrem 8 Jahre jüngeren Bruder Theo den Demeter Hof mit Stall und Vieh, Wiesen, Feldern, Wald und demnächst auch einem Ferienhausbetrieb. Beide haben Kinder, mittlerweile erwachsen, die mit ihren Partnern bei Bedarf den Hofbetrieb unterstützen. Unter der Woche arbeiten die beiden allein und am Wochenende trifft man sich zu gemeinsamen Arbeitseinsätzen. Manchmal kommt Hilfe von Praktikant*Innen oder Dorfbewohner*Innen. Besonders die Erntezeit ist ein fester Bestandteil des Jahreskreislaufes in dem kleinen Dorf und wenn die Kartoffeln eingefahren werden helfen sogar die Kinder im Dorf mit oder sammeln was liegen geblieben ist von den Feldern. Besonders beliebte Sammelobjekte sind, beim Bioanbau häufiger vorkommende Kartoffeln in ungewohnten Formen, z.B. Herzen, dicke Männchen mit Armen und Beinen oder lustige Köpfe mit Ohren und knubbeligen Nasen.

Der Stall des Hofes mit dem gehörnten Fleckvieh ist ein beliebtes Ausflugsziel für die Kinder des Dorfes oder den Besuch aus der Großstadt, der beim Dorf Sightseeing unweigerlich bei den hübschen Tieren landet.

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Barbara, ihr steckt doch gerade mitten in der Ernte. Erzähl doch mal, was ihr schon eingefahren habt und was ihr noch erwartet.

Unsere erste Ernte war die Getreideernte, also Dinkel. Das hat uns viele Nerven gekostet! Wir bauen Dinkel an für das Erdmannhäuser Unternehmen Huober für Bio-Brezeln und Kindernahrung. Da muss die Qualität entsprechend hoch sein. Das war dieses Jahr nicht der Fall durch den vielen Regen. Außerdem war es auch mit der Ernte schwierig. Als es endlich einen Termin gab mit dem Mähdrescher, ist dieser in Dauernberg liegen geblieben. Und als er wieder repariert war, hat es zwei Wochen durchgeregnet. Ein Glück hat der Huober den Dinkel trotzdem abgenommen, auch wenn die Qualität nicht erstklassig war durch die verspätete Ernte. Dann haben wir das Futtergetreide geerntet für unser Vieh. Aber auch das mussten wir ausbreiten und trocknen, um es dann mit dem vom letzten Jahr zu mischen. Jetzt sind wir in der Kartoffelernte. Danach kommen die Möhren, Rote Bete, Steckrüben und dann das Kraut. Also alles Lagergemüse.

 

Was geschieht mit den Sachen, die ihr erntet?

Die Sachen werden zuerst eingelagert. Das Gemüse wird in unseren Kühlräumen gelagert, die Kartoffeln im Kartoffelkeller, der früher einmal ein Schweinestall war. Dann wird es nach und nach aufbereitet, geputzt und sortiert, gewaschen und verkauft. Zum Teil gehen die Sachen an den Großhandel. Dann an die Marktbetreiber. Das sind unsere Nachbarn im Dorf, die Wochenmärkte in Schwäbisch Hall und Heilbronn machen. Und es gibt auch einige Privatkunden.

Dann gibt es ja auch noch das Vieh. Wir schlachten 2 bis 3 mal im Jahr. Das meiste davon wird an Privatkunden verkauft. Es gibt aber auch jedes Jahr einige Rinder, die wir mästen und die den Sommer über auf der Weide bleiben dürfen. Diese verkaufen wir dann an Bio-Metzgereien.

 

Seid ihr bis jetzt zufrieden? Ist es ein ertragreiches Jahr?

Das Jahr war echt schlecht. Für mich persönlich eines der schwierigsten Jahre, das ich erlebt habe. Das kann man von außen betrachtet kaum verstehen. Es war zwar keine extreme Hitze, aber dafür extrem viel Regen. Und irgendwie hatten wir auch schon Ernteausfälle aufgrund von extremer Hitze, aber da hat es doch manches ganz gut geschafft. Dieses Jahr ziehen sich die Ausfälle durch alle Kulturen. Kartoffeln sind nur die Hälfte, Möhren und Rote Bete auch. Das Kraut steht ganz gut da. Aber irgendwie hat die Wärme gefehlt. Wir sind mit dem Unkraut jäten kaum hinterhergekommen. Wir haben so viel Arbeit reingesteckt. Durch den vielen Regen ist es aber so schnell nachgewachsen. Dann war der Boden verdichtet und wir konnten mit der Maschine nicht reinfahren. Wir hatten so viele Helfer auf dem Acker, aber wir sind dem Unkraut nicht Herr geworden. Die Kulturpflanzen hatten leider nicht so viel Drive wie das Unkraut! Die sind einfach untergegangen. Das war hart, so viel Energie da rein zu stecken, Zeit und Geld und dann wird es nichts.

 

Was bedeutet die Erntezeit im Leben einer Bäuerin?

Die Erntezeit ist die Zeit im Jahr, wo du den Lohn bekommst für deine Zeit und Energie, die du investiert hast. Das ist ein aufbauendes Erlebnis.

Und es ist immer wieder ein Wunder, wenn man ein Samenkorn in den Boden steckt, und zur Ernte hast du eine fertige Möhre oder Kartoffel. Das ist schon toll!

Auch wenn mal was nicht wird, freut man sich über das, was es geschafft hat. Die Ernte an sich ist eine wunderschöne Zeit, draußen auf dem Acker stehen und die Farben des Herbstes oder einen Regenbogen bewundern. Das hat was!

 

Und was kommt danach? Beine hochlegen?

Irgendwie schon! Wenn die Ernte dann wirklich drin ist, dann hast du was geschafft und einen Abschnitt beendet. Die Ernte ist schon immer ein großer Organisationsaufwand und eine stressige Zeit. Dann tut es gut, wenn Ruhe einkehrt. Wobei es mit der eingefahrenen Ernte nicht getan ist. Alles muss ja auch wieder raus und du musst es erst vermarkten, bevor du einen wirtschaftlichen Nutzen davon hast.

 

Kommt nach jeder Ernte nicht unweigerlich ein Neuanfang? Bist du schon in Aufbruchstimmung?

Ja, die Aufbruchstimmung setzt eigentlich erst ein wenig später ein. Jetzt, direkt nach der Ernte, ist erstmal Zeit für Erntedank. Dann darf man sich etwas ausruhen und Richtung Weihnachten oder kurz danach beginnen die Überlegungen und der Aufbruch. Dann beschäftigen uns die Fragen, was machen wir anders, was muss neu werden und was haben wir fürs nächste Jahr geplant. Aber für mich ist der November und Dezember immer eine tolle Zeit. Normalerweise ist dann Zeit, das Getane zu verdauen. Durchatmen.

 

ernte-und-aufbruch-teil-2Der ewige Kreislauf von Ernte, Bearbeitung der Felder und Neuanfang. Aussaat, Bewässerung, Unkraut jäten und vieles mehr. Was hat sich an eurer Arbeit verändert in den letzten 30 Jahren?

Ich habe das ja schon als Kind alles miterlebt. Da war es natürlich völlig anders. Da hatten meine Eltern noch Milchvieh und Schweine. Aber wir haben dann den Betrieb umgestellt, denn konventionelle Landwirtschaft konnten wir uns nicht vorstellen. Für uns war ein Biobetrieb die Bedingung dafür, die Landwirtschaft der Eltern weiterzuführen.

Komischerweise hatten meine Eltern viel weniger Geschäft, kleinere Äcker und weniger Vieh und trotzdem haben sie davon gelebt. Ein großer Teil der Erträge machte damals auch noch der Waldbetrieb und die Holzwirtschaft aus. Das bricht immer mehr weg durch den Klimawandel, die Dürre und den Schädlingsbefall. Das Klima und die Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben sich schon stark verändert. Die Auswirkungen spüren wir vor allem in den letzten 3-4 Jahren. Die extreme Hitze, vertrocknete Wiesen und verbrannte Frucht. Das fehlende Wasser und die Trockenheit machen uns in der Landwirtschaft zu schaffen. Die Stärke der Auswirkungen hat mich schon sehr überrascht. Und dabei haben wir noch Glück in einer gemäßigten Klimazone zu leben.

Die Technik und die Maschinenarbeit haben sich auch stark verändert in den letzten 30 Jahren. Vor allem durch die Vollernter, die bei der Kartoffel- und Möhrenernte zum Einsatz kommen. Damals war man noch mit viel mehr Menschen auf dem Acker und es war wesentlich anstrengender. Die Maschinen haben es schon leichter gemacht, aber dafür haben wir jetzt viel mehr im Anbau, größere Umsätze, aber auch einen größeren Bedarf. Früher haben meine Eltern viel weniger Geld für ihren Lebensunterhalt gebraucht.

Was sich auch verändert hat, ist die Familie auf dem Hof. Früher waren wir mit unseren kleinen Kindern und den Großeltern drei Generationen auf dem Hof. Es war toll mit so vielen Menschen gemeinsam auf dem Hof zu leben und gemeinsam zu arbeiten. Jetzt sind wir allein, was den Vorteil hat, dass wir mehr Freiheiten haben und uns nicht immer mit allen Familienmitgliedern absprechen müssen, wenn wir mal eine Pause brauchen oder ein paar Tage Urlaub wollen. Wir müssen niemanden fragen, so wie früher. Das ist manchmal schwierig gewesen in einem Mehrgenerationenbetrieb, sich mit allen abstimmen zu müssen.

 

Was fehlt dir von früher? Und was wünscht du dir für die Zukunft?

Die Kinder und der größere Kreis Menschen gemeinsam auf dem Hof, das fehlt mir schon manchmal. Es war eine schöne Zeit mit den Kindern. Die Mehrfachbelastung war zwar manchmal hart und da frage ich mich oft, wie ich das mit den Kindern gemacht habe. Aber es gab ja noch die Großeltern, die Zeit mit ihren Enkeln verbracht haben. Das war schön, das so zu erleben.

Ich muss ja mit meinen 63 Jahren langsam überlegen, wie es weitergeht. Ein bisschen weniger arbeiten und noch ein bisschen mehr erleben. Für die Zukunft wünsche ich mir natürlich schon, dass es mit dem Hofbetrieb irgendwie weiterläuft. Vielleicht ist es eine Option mit der Gärtnerei und der SOLAWI in Großhöchberg zu kooperieren und den Betrieb gemeinsam weiterzuentwickeln. Aber das ist dann nicht mehr mein Part. Ich unterstütze und wirke da gern mit, aber das müssen dann andere machen. Wir haben schon so viel verändert in den vielen Jahren.

Ich habe jetzt noch als neues Projekt das Ferienhaus mit mehreren Wohnungen, was auch ein bisschen als Einnahmequelle fürs Alter dienen soll. Da gibt es für mich noch etwas zu tun.

 

Braucht es einen Aufbruch in der Gesellschaft und ein Umdenken zugunsten der Landwirtschaft? Was meinst du?

Auf jeden Fall! Das war ja großes Thema im vergangenen Wahlkampf. Wer hätte das vor 5 Jahren gedacht, dass das für alle Parteien Thema werden wird und alle damit Wahlkampf betreiben. Da muss dringend was geändert werden zu Gunsten des Klimaschutzes und die biologische und regionale Landwirtschaft braucht mehr Anerkennung und Wertschätzung. Die Menschen müssen aber dringend umdenken und akzeptieren, dass Biogemüse nicht genormt ist und auch krumme Möhren lecker schmecken oder die Kartoffel eben auch mal ein Löchlein hat. Die Anspruchshaltung der Menschen diesbezüglich muss sich ändern. Dann hätten wir vielleicht weniger Probleme beim Großhändler, unsere Sachen zu einem guten Preis loszuwerden. Das ist nämlich das nächste Problem, die Preise. Die bestimmen ja nicht wir, sondern der Großhändler sagt, was er uns für unsere Waren zahlt. Also nicht wir sagen, was wir für unsere Arbeit bekommen, wie es eigentlich in vielen anderen Bereichen läuft.

 

Wie steht es mit dem Glück? Bist du im Großen und Ganzen zufrieden und glücklich mit deinem Leben und Arbeiten als Bäuerin in Großhöchberg? Und warum?

Meistens schon. Ich bin ja hier aufgewachsen und war schon oft woanders, aber ich bin immer wieder zurückgekommen. Ich hänge schon an diesem Ort. Ich konnte hier auch meine Träume verwirklichen und haben die Landwirtschaft schon früh als möglichen Arbeitsplatz für mich erkannt.

In der Jugend war es manchmal etwas eng hier, aber zum Glück hat sich auch das Dorf verändert. Wenn es noch so wäre wie vor 30 Jahren, dann wäre ich vielleicht nicht mehr hier. Meine Mutter hat schon immer Anstoß dazu gegeben, dass nicht nur die Kultur im Boden gepflegt wird, sondern auch die geistige. Sie war unter anderem Mitbegründerin des Singkreises in Großhöchberg und hat sich immer für Kunst und Kultur in unserem kleinen Dorf stark gemacht, vom Johannifeuer über Konzerte bis zu Kinderfreizeiten im örtlichen Klosterhof. Später kamen dann immer mehr kulturelle Angebote im Dorf dazu, wie zum Beispiel das Theater. Das fand ich schon immer toll! Das fördert die Lebensqualität hier enorm. Zumal mir die Kunst schon immer am Herzen lag und ein Kunststudium für mich als junge Frau eine mögliche Alternative zur Landwirtschaft war. Ich war lange hin und her gerissen zwischen beidem und habe mich dann doch für die Landwirtschaft und gegen die Malerei entschieden. Den Anspruch an eine schöne Gestaltung im Haus und immer einen Strauß auf dem Tisch habe ich mir aber weiterhin bewahrt. Das pflege ich weiter, genauso, wie es meine Mutter und Großmutter tat.

 

Zu guter Letzt wüsste ich gern 3 Dinge, die ich von einer Bäuerin lernen kann?

  • Kartoffelsalat
  • Die Verbundenheit zur Natur und zu den Tieren. Das gebe ich vor allem gern an die Kinder weiter. Deswegen sind Kinder mir im Stall immer willkommen.
  • Zuversicht und Hoffnung, dass mit jedem Samenkorn wieder etwas Neues wachsen kann.
Man bekommt jedes Jahr aufs Neue die Chance für Neubeginn und Veränderung.

Liebe Barbara, danke für dieses schöne Gespräch!

Deine GLYCKsbloggerin Melli Hellebrand

 

Melanie Hellebrand

Systemische Therapeutin & Beraterin
HELDENDASEIN aufrichten.ausrichten.weitergehen


www.heldendasein.de

 

 

 

Systemische Beratung

Ausgebrannt & abgetaucht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 

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Ernte und Aufbruch

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Ernte und Aufbruch


Es gibt so Worte, die ziehen andere an wie ein Magnet. Sie sind gekoppelt wie – genau: Pech und Schwefel. Pfeffer und Salz. Bonnie and Clyde. … Ernte und Dank. Dabei kann man nicht nur Dank ernten. Das Wort funktioniert auch mit Kritik. Wir ernten Beifall genauso wie
kritische Blicke.

Dabei stellt sich die Frage:

Ernten wir immer das, was wir gesät haben? Ist es immer das Ergebnis einer Aktion? Also Aktion – Reaktion?

Klar, wer Petersilie oder Ringelblumen sät, hat dann Kräuter oder Blumen im Garten. Was aber auch nicht ganz stimmt. Denn meistens schleicht sich ja noch was anderes in die Reihen im Beet. Der Wind treibt uns gerne ein paar Samen zu.

Meine Wicken zum Beispiel. Das was die erfolgreichste Investition in meinem Garten. Ein Tütchen eingesetzt, erfreuen die lila und rosa Blüten seit Jahren mein Herz. Und haben jetzt auch noch die selten gewordene blaue Holzbiene in meinem Gärtchen heimisch gemacht. Mit ihr verbringe ich die frühsommerlichen und sommerlichen Tage mit meinem ersten Espresso im Garten und sie hat mich zu diesem Text inspiriert. Denn nicht immer säen wir genau das, was wir ernten. Den Luftikus Wicke habe ich gesät, aber was er mir alles schenkt, das habe ich nicht erwartet. Gespräche über den Gartenzaun, ob ihre grenzüberschreitende Ader meinen Nachbarn stört. Tut sie nicht. Post aus Bayern und Berlin von meinen Gartenfreundinnen, bei denen nun die Urenkel-Samen heimisch geworden sind.

 

 

Das Leben funktioniert nicht wie ein Bankkonto


Und so ist es doch oft: Nicht immer bekommen wir das, was wir gesät haben. Manchmal mehr, manchmal weniger bis gar nichts. So jedenfalls scheint es auf den ersten Blick. Aber das Leben funktioniert erfreulicherweise eben nicht wie die Bewegungen auf einem
Bankkonto. Was wir an einer Stelle einzahlen, bekommen wir oft an einer ganz anderen wieder zurück.

Das habe ich oft im Leben erlebt. Früher habe ich mich manchmal geärgert, wenn ich viel gegeben habe, in einem Job, in einem Ehrenamt, in der Familie. Und das Gefühl hatte, es wird nicht richtig erkannt, anerkannt, belohnt. Um dann später oft überrascht festzustellen, dass sich durch einen Kontakt im Ehrenamt ein Auftrag ergeben hat, aus einer Begegnung im Zug ein Lektüretipp oder Einstieg zu einem Artikel, aus einem am Wegesrand ausgegrabenen Pflänzchen ein wahres Blütenmeer entstand.

Was es dafür braucht?
  • Ein offenes Herz.
  • Eine Haltung, die uns Chancen erkennen lässt.
  • Und keine Angst vor Überraschungen. In den letzten Monaten sind uns die Überraschungen ein bisschen ausgegangen. Fast alles musste vorausgeplant, reserviert und angemeldet werden. Wir haben uns registriert und viele neue Formblätter kennengelernt. Dabei sind es ja genau die Überraschungen, die uns lebendig halten.

 

 

Lass Dich überraschen


Lass Dich überraschen! So nannte Rudi Carell seine Fernsehshow Ende der achtziger Jahre und die begann immer mit diesem Titelsong. Das fiel mir wieder ein, als ich nach dem Lockdown zum ersten Mal wieder in meinem Lieblings-Biergarten in München saß. Es dauerte nicht lange, da kamen wir mit dem Nachbartisch ins Gespräch, weil ich Ihnen eine Decke abschwatzen wollte. Habe ich bekommen und etwas später eine Live-Gesangseinlage der jungen Leute. Choräle. Mehrstimmig wummerten die satten Melodien durch den Raum. Was für eine Überraschung. Und wie schön, etwas zu erleben, was nicht geplant war.

Wenn Freunde klingeln und aus dem Kaffee ein Abendessen wird mit dem, was der
Kühlschrank halt so hergibt. Wenn uns das Stöbern in der Buchhandlung fünf
Neu-Entdeckungen mit nach Hause tragen lässt. Oder Freundinnen Dich spontan an den Bodensee entführen. Wenn wir uns einfach vom Leben treiben lassen. Und das nichts Tun die schönsten Ideen hervorbringt. Besonders gut funktioniert das in der Natur. Beim Betrachten des Sonnenuntergangs, des Wassers, der Wolken, der Wicken im Garten.

Ja, Ernte ist für mich an Dank gekoppelt. Ich bin dankbar, für das, was mir das Leben in mein Gärtchen bringt…

Denn mit der Ernte verbunden, ist ja schon der Ausblick auf die nächste Saison. Im Samenkorn, das meine Wicken hinterlassen, steckt ja schon alles, was die Pflanze für die nächste Saison braucht. Die Ernte ist ein Zwischenschritt im Kreislauf, bevor ich wieder aussäe, in Erwartung, was kommt. Und mich erneut überraschen lasse, welche Saat aufgehen wird, welche Pflanzen sich reinmogeln, welche Nachbarn sich gut tun und was mit dem Raum dazwischen geschieht. In diesem Sinne wünsche ich Dir eine reiche Ernte – nicht nur jetzt zur klassischen Ernte-Dank-Zeit.

 

 

 

Ernte und Dank im Alltag – hier ein paar Tipps

 

  • Spiel Leporello mit dem Adressbuch. Beim Buchstaben Stopp eine Adresse für eine Karte oder ein Telefonat wählen und der Person für etwas danken, was sie in Dein Leben gebracht hat. Wenn Du ein elektronisches Adressbuch hast, dann still das Alphabet aufsagen und jemanden bitten, Stopp zu sagen oder den Timer stellen.
  • Natürlich kannst Du auch direkt eine Adresse aussuchen.
  • Hast Du einen Garten? Dann sammle doch ein paar Samen, getrocknete Blätter, Blüten und schicke Sie an jemanden, dem Du dankbar bist. Wenn Du keinen Garten hast, kannst Du sehr gut im Wald oder einem Park Früchte sammeln.
  • Führe ein Dankbarkeits-Tagebuch oder binde in Dein Morgen- oder Abendritual einen Moment ein, an dem Du für etwas oder jemanden dankst.
  • Es gibt eine Übung, die “Zahl im Voraus” heißt: Halte nach jemandem Ausschau, dem Du selbstlos einen Gefallen tust, ohne eine Gegenleistung zu verlangen – außer die, dass er das Gleiche tut. Der Domino-Effekt dieser Übung bringt eine ganze Reihe guter Taten in Bewegung.

 

Zitate zum Thema Ernte:


Im Herbst steht in den Gärten die Stille, für die wir keine Zeit haben.

Laotse

Wer nur um Gewinn kämpft, erntet nichts, wofür es sich lohnt, zu leben.

Antoine de Saint-Exupéry

Säe ein Samenkorn in die Erde, und sie wird dir eine Blume hervorbringen. Träume deinen Traum zum Himmel, und er wird dir deine Geliebte bringen.

Khalil Gibran

 

Deine GLYCKsbloggerin Claudia

Vielen Dank an Jörg Frase für die hübschen Fotos!

 

Dr. Claudia Kundigraber 

Kommunikationstrainerin
Inspirationscoach
Yogalehrerin


www.kundigraber.de

 

 

 

 

  • Yogalehrerin
  • Ausbildung als Businesscoach in Berlin
  • Über 20 Jahre Inhaberin der Kommunikationsagentur k.u.k. kommunikation in Stuttgart
  • Promotion über Polens Weg in die Demokratie in Warschau und Tübingen
  • Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München
  • Studium der Rhetorik, Germanistik und Politikwissenschaft in Tübingen
  • Veröffentlichungen in Frankfurter Rundschau, ZEIT, Süddeutsche Zeitung, Südwest Presse sowie Fachartikel und Kurzprosa

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 

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Leichtigkeit statt Stress

Leichtigkeit statt Stress

 

Leichtigkeit statt Stress

 

Leichtigkeit, welch geflügeltes Wort. Wer wünscht sich das nicht für sein Leben? Was bedeutet Leichtigkeit? Die Abwesenheit von Schwere? Ist die Leichtigkeit in meinem Leben an mein Körpergewicht gekoppelt? Hoffentlich nicht! Ich mache mich auf die Suche nach ein paar Begriffserläuterungen.

 

Der Duden gibt für das Wort Leichtigkeit zwei Bedeutungen an.

Zum ersten, die Eigenschaft, leicht zu sein, also doch ein geringes Gewicht zu haben. Das deprimiert mich! Als zweite Bedeutung jedoch, wird die Leichtigkeit mit Mühelosigkeit, der Eigenschaft, Dinge mit Leichtigkeit verändern zu können, angegeben.

 

Wenn ich weitersuche, finde ich noch die Bedeutung, unbekümmert zu sein, aber auch viele Synonyme von Mühelosigkeit, Spielerei, Kleinigkeit, über Bequemlichkeit und Bedeutungslosigkeit bis hin zu Nichtigkeit. Dann bekommt das Wort Leichtigkeit für mich eine negative Konnotation und das macht mich traurig. Mir stellt sich augenblicklich die Frage: Wenn ich in meinem Leben etwas mit Leichtigkeit erreicht habe, ist es dann weniger von Bedeutung, als wenn ich es mit Mühe und unter harter Arbeit und andauerndem Stress vollbracht habe? Muss alles Schaffen eine Plage sein?

 

Nein! Ich suche weiter und finde für Leichtigkeit das Synonym der Gewandtheit, das mir besonders gut gefällt. Welch wunderschöner Klang, fast tänzerisch! Ich mag gewandte Menschen. Sie sind mir sympathisch. Sie wirken oft schöpferisch und versprühen dabei eine Leichtigkeit und ein Gefühl von Glücklichsein, das oft ansteckend wirkt.

 

Beim weiteren Nachdenken zum Begriff der Leichtigkeit fällt mir der englische Begriff FLOW ein, der für mich eine gewisse Leichtigkeit im Tun verkörpert. Im Flow zu sein, etwas mühelos zu verrichten, und in einen rauschähnlichen Zustand zu gelangen, in dem sogar Arbeit Spaß macht.

Wikipedia sagt tatsächlich folgendes zu FLOW:

„Flow (deutsch „Fließen, Rinnen, Strömen“) bezeichnet das als beglückend erlebte Gefühl eines mentalen Zustandes völliger Vertiefung (Konzentration) und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit („Absorption“), die wie von selbst vor sich geht – auf Deutsch in etwa Schaffens- bzw. Tätigkeitsrausch oder auch Funktionslust.“

Arbeit, die wie von selbst geht…welch glücklicher Zustand. Das klingt nach Abwesenheit von Schwere und Stress.

Stress ist ein Zustand, in dem unser Körper alles dafür tut, schnell und einsatzbereit zu sein. Die Atmung beschleunigt, der Blutdruck steigt, die Muskelspannung wächst und unsere Gedanken werden rasend schnell. Meist empfinden wir das als unangenehm; das hängt sehr davon ab, wie wir die Umstände bewerten und empfinden. Die Wissenschaft bewertet positiven und negative Stress. Positiv oder negativ- das ist immer eine Frage unseres Umgangs damit und unserer Einstellung dazu. Wenn sie die Arbeit als Herausforderung empfinden, dann genießen Sie vielleicht das Kribbeln im Nacken und das Gefühl, endlich etwas anpacken zu können. Wenn Sie aber müde sind und sich auch noch unterbezahlt fühlen, ist derselbe Zustand Ihres Körpers eher eine Belastung, die Sie nicht zur Ruhe kommen lässt.“

(Lit. Hantke & Görges „Ausgangspunkt Selbstfürsorge“, Junfermann Verlag, Paderborn, 2019)

Dann hat das Gefühl von Stress, Schwere, Abwesenheit von Leichtigkeit also auch mit unserem Empfinden und unserer Bewertung zu tun. Es ist ein subjektives Gefühl davon, wie schwer sich etwas für mich anfühlt. Ein anderer Mensch würde vielleicht sagen: das mache ich dir mit links!  Das ist eine Leichtigkeit für mich!

Wenn es also mit meiner persönlichen Bewertung einhergeht, wie schwer oder wie leicht sich mein Leben, meine Arbeit oder mein Alltag anfühlen, dann habe ich es doch selbst in der Hand, wie ich eben dieses bewerte. Das macht mir Hoffnung! Was kann ich also tun, um mehr Leichtigkeit und weniger negativen Stress zu erleben.

Balou der Bär im Dschungel würde sagen:

Probier’s mal mit Gemütlichkeit!

Bei meiner Recherche bin ich sehr schnell auf 10 Tipps für mehr Leichtigkeit von Benjamin Brückner auf seiner Website www.benjamin-brueckner.de gestoßen. Diese Tipps möchte ich gern mit euch teilen und empfehle euch die Erklärungen auf der o.g. Website. Es ist nämlich gar nicht so schwer mit der Leichtigkeit!!!

10 Tipps für mehr Leichtigkeit

  1. Richtig atmen
  2. Grenzen setzen
  3. Fokus behalten
  4. Schweres zulassen
  5. Spazieren gehen
  6. Gut essen
  7. Perfektionismus ablegen
  8. Vertrauen entwickeln
  9. Viel Bewegung
  10. Freundlichkeit

 

 

Wenn du Orientierung brauchst bei der Suche nach mehr Leichtigkeit in deinem Leben, dann kann eine Beratung oder ein Coaching hilfreich sein. Ich biete dir gern individuelle und lösungsorientierte Hilfe. Vereinbare einfach einen unverbindlichen Termin bei mir zum Kennenlernen!

 
 
Melanie_HellebrandEin Beitrag von Melanie Hellebrand
Einen Überblick zu ihrem Angebot im Glyck gibt es hier.
 

 

HELDENDASEIN

Melanie Hellebrand

Systemische Therapeutin & Beraterin (SG)

www.heldendasein.de

 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Glyck in Zeiten von Corona

Glyck in Zeiten von Corona

Herzlich Willkommen zu unserem ersten Glycksblog-Beitrag!

COVID 19 hat ja auch uns erfasst und wir haben das Gefühl, dass wir gerade jetzt gebraucht werden.

„Es ist, was es ist.“ (Erich Fromm) 

Einfach mal wahrnehmen, was uns bewegt und was überhaupt ist. Das ist Thema unseres heutigen Blogs. Eine solche Bestandsaufnahme unseres alltäglichen Lebens ist in unseren Augen, im Hinblick auf ein gelingendes Leben und derzeit einem gesunden Krisenmanagement, überaus wichtig. Wir nehmen wahr, bei jedem Einzelnen und somit in der Gesellschaft, dass Ängste, Sorgen und Unsicherheit mehr und mehr unser Leben bestimmen und unsere Entscheidungen beeinflussen.

Auffällig ist, dass wir viel zu häufig unklare Berichterstattung konsumieren, sei es nun durch FakeNews und Verschwörungstheorien oder durch tröpfelnde Informationsgabe (Was plant die Bundesregierung als nächstes? Wie entwickeln sich die Zahlen? Wann wird die Wirtschaft wieder starten können? ….). Dadurch werden wir tief und nachhaltig verunsichert. So geraten wir häufig in kurzfristige, dramatisierende Denkmuster, wie beispielsweise „Oh Gott, die Welt geht unter!“ oder „Hoffentlich erwischt mich das Virus nicht!“ Um mit solch überwältigenden Gefühlen umzugehen, braucht es zunächst einmal eine Schärfung der Wahrnehmung (Bestandsaufnahme), damit wir klar sehen was uns bewegt.

Was ist Euch eigentlich begegnet an diesem typischen derzeitigen Corona-Tag? Um das zu ergründen, möchten wir Euch auffordern, einfach mal den Tag zu protokollieren. Das könntet Ihr auf Eure Weise machen, und falls Ihr Hilfe braucht, nutzt doch einfach die angehängten Beispiele. Exemplarisch haben wir, falls es Euch hilft, zwei verschiedene Tage zusammengefasst. Tage von Isolierten, die zu Hause die Stellung halten, sowie Tage der Teile der Bevölkerung, die weiterhin der Arbeit nachgehen.

Und so geht die Wahrnehmungs-Übung:

  • Ladet Euch den entsprechenden Vordruck herunter, streicht durch und ergänzt, wie es Euch beliebt oder erstellt diese Liste frei.
  • Nun nehmt Euch etwas Zeit und geht jeden einzelnen Punkt durch und schreibt dahinter:
    • W – für wohltuend oder nährend
    • N – für neutral oder löst nichts in mir aus
    • E – erschöpfend oder kraftraubend

So habt Ihr erstmals wirklich die Chance auf Euer Leben zu schauen und es in die Hand zu nehmen – egal wie die Umstände sind. Wer Lust hat kann dies durchaus mehrmals vertiefend durchführen.

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Wir freuen und, wenn Ihr den Glycksblog weiter verfolgt, der Euch helfen kann durch diese unsicheren Zeiten zu navigieren.

Wir wünschen Euch eine glyckliche Zeit, denn Glyck ist – innere Zufriedenheit, unabhängig von äusseren Umständen.

 

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